24 Peter Nogly

Foto und Interview: März 2005

Hatten Sie schon früh das Ziel, Fußballprofi zu werden oder gab es ursprünglich ganz andere Pläne?

Eigentlich hatte ich vor, zur See zu fahren. Nach der Schule habe ich zunächst eine Lehre als Maschinenschlosser auf einer Werft gemacht, da bot sich das einfach an. Irgendwann lief das dann aber mit dem Fußball immer besser, und ich hatte auch schon ein Gespräch mit Robert Schwan, der mich damals zu Bayern München holen wollte. Nachdem die „Bild“-Zeitung das mitbekommen hatte, gab es einen Riesenwirbel, und man warf dem HSV vor, mich einfach so ziehen zu lassen. So bemühte man sich in Hamburg dann doch noch um mich, und da ich bei Bayern München noch nichts unterschrieben hatte, bekam ich schließlich meinen Vertrag beim HSV.

Sie sind der einzige Spieler, der die gesamten 70er Jahre beim Hamburger SV durchgespielt hat. Warum haben Sie später nie eine Funktion beim HSV übernommen?

Ich wollte 1980 ursprünglich langsam aussteigen und da habe ich die Angebote aus Kanada und Amerika genutzt und dort noch einige Jahre gespielt. Im Nachhinein bedaure ich das aber auch etwas, denn ich wäre beim HSV schon gerne Co-Trainer geworden. Unter Happel hätte das auch beinah mal geklappt, auch wenn ich damals erst aus meinem Vertrag bei Tampa hätte herauskommen müssen.

Ende der 70er haben Sie ja beim HSV mit Kevin Keegan mit einem der ersten richtigen Stars der Bundesliga zusammen gespielt. Gab es ihm gegenüber auch Neid in der Mannschaft?

Neid gab es da nicht, im Gegenteil. Das Einzige, was anfangs etwas schwierig war, war die unterschiedliche Spielweise. Er musste sich an uns gewöhnen und wir an ihn. Später lief das aber sehr gut, weil Kevin ja nicht nur ein fantastischer Spieler war, sondern auch ein Supertyp, der unheimlich viel Spaß verbreitet hat. Auch seine sehr englische Professionalität, bei der man sich total verausgabt, hat mir damals sehr imponiert.

Was mich sehr erstaunt hat, war, dass Manfred Kaltz mit seinem doch recht intellektuellen Ruf später nie ein erfolgreicher Trainer geworden ist.

Nicht jeder erfolgreicher Spieler kann später mal Trainer werden. Und genauso wie bei den Spielern gehört auch bei den Trainern eine gewisse Beharrlichkeit und etwas Glück dazu. Manfred ist ja genau wie ich ein eher introvertierter und ruhiger Mensch, was für den Trainerjob unter Umständen eben auch ein Nachteil sein kann.

Wie hat Ihnen denn eigentlich Ihr ehemaliger Mitspieler Jimmy Hartwig in der RTL-Dschungel-Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ gefallen?

Diese Sendung habe ich mir nicht angeschaut. Gehört habe ich zwar davon, aber ich denke, Jimmy ist alt genug, um zu wissen, was er tut. Er war ja schon früher jemand, der sich gerne mal etwas dargestellt hat. Bei gelungenen Aktionen auf dem Platz ließ er sich dann eben auch ab und zu mal etwas mehr feiern als andere.

Wie sind Ihnen Ihre Jahre in Amerika bei Tampa in Erinnerung?

Das war fantastisch, weil ich dort mehr oder weniger frei aufspielen konnte. Als erfahrener Spieler stand ich ja auch schon ein wenig dem Trainer zur Seite, der eigentlich mehr vom Eishockey kam. Am meisten erstaunt hat mich damals, dass man nach dem Spiel sofort wieder völlig privat war. Was man außerhalb des Fußballplatzes tat, interessierte dort niemanden.

Zu Hertha BSC sind Sie 1983 als Ersatz für Rainer Bonhof gekommen. Da der aber nur sechs Spiele für den Verein absolviert hat, vermute ich mal, dass der Druck für Sie nicht allzu groß gewesen ist.

Der Druck war schon da, lag aber eher auf der Mannschaft, weil man unbedingt wieder in die Bundesliga wollte. Dafür fehlte aber nach meiner Einschätzung einfach die Klasse.

Wer waren aus Ihrer Sicht die Führungsspieler bei Hertha BSC?

Eigentlich fällt mir da nur der Rolf Blau ein. Ansonsten war die Mannschaft eher durchschnittlich, wirklich herausragende Spieler oder Persönlichkeiten gab es damals kaum.

War Ihr Gastspiel von vornherein nur auf ein Jahr angelegt?

Nein, ich hatte einen Zweijahresvertrag. Ich hätte der Hertha auch gerne geholfen und noch etwas länger gespielt, aber der neue Trainer Uwe Kliemann wollte mich offenbar nicht in der Mannschaft haben. Vielleicht hing das damit zusammen, dass ich als Spieler ja damals bereits älter war als er als Trainer. Eigentlich war das schade, weil wir nie darüber gesprochen haben. Bei einem Gespräch hätte ich vielleicht einige Zweifel ausräumen können.

Gab es zu Ihrer Zeit bei Hertha Spieler, die die Atmosphäre ein wenig gestört haben?

Da kann ich nicht viel zu sagen, dazu war ich einfach zu kurz bei Hertha. Ein wenig Neid war wohl nur in Bezug auf Wolfgang Metzler mit im Spiel, weil der anscheinend etwas mehr als manch anderer Spieler verdiente. Dazu kam, dass er wohl nicht so ganz das bringen konnte, was man sich von ihm erhofft hatte.

Nach Hertha BSC haben Sie noch zwei Jahre beim FC St. Pauli gespielt und sind danach Trainer geworden.

Das stimmt, ich bin dem Fußball bis heute verbunden geblieben. Direkt nach St. Pauli bin ich Trainer beim VFB Lübeck geworden, später dann bei Eutin. Nach diversen anderen Stationen kam ich dann zu Hoisdorf, wo ich 5 ½ Jahre die Oberligamannschaft betreut habe. Momentan bin ich Trainer in der Landesliga bei St. Georg Horn, wo ich vor etwa einem Jahr angefangen habe. Ich hatte eigentlich von Anfang an vor, Trainer im Amateurbereich zu sein, weil es mir großen Spaß macht, mit jungen Spielern zu arbeiten und den einen oder anderen an den Profifußball heranzuführen. Das mache ich aber in erster Linie aus Spaß und nebenbei, denn beruflich bin ich selbstständig und habe zwei eigene Geschäfte.

Ist es Ihnen in Ihrer Trainertätigkeit auch schon mal gelungen, einen Spieler bis in die Bundesliga oder in die 2. Liga hochzubringen?

Ja, Torsten Wohlert vom VFB Lübeck ist später zunächst Bundesligaspieler bei Borussia Dortmund geworden und hat dann noch jahrelang beim MSV Duisburg gespielt. Dazu kommen natürlich auch noch diverse Spieler, die in der 2. Liga Fuß fassen konnten.