19 Peter Pagel

Foto und Interview: August 2004

Sie sind 1980 direkt nach dem Abstieg in die 2. Liga zum Verein gestoßen. War das aus ihrer Sicht ein guter Zeitpunkt?

Ja und nein. Ich war zwar 24 und damit in einem sehr guten Fußballeralter, aber hatte mit Klimaschefski leider den falschen Trainer. Er hat mir nie die Chance gegeben, mal zwei oder drei Spiele hintereinander zu spielen. Killmaier und Remark wurden grundsätzlich vorgezogen, auch wenn man natürlich sagen muss, dass beide damals regelrechte Tormaschinen waren.

In dieser Saison haben Sie in neun Spielen drei Tore geschossen. Wenn man aber mal berücksichtigt, wie häufig Sie ein- und ausgewechselt wurden, dann haben Sie diese drei Tore in der Gesamtzeit von ca. vier Spielen erzielt. An sich keine schlechte Quote.

Ich war halt immer da, wo es weh getan hat. Heute macht das ja kaum noch jemand. Ich habe meine Chance immer im Zentrum gesucht und meistens auch da gefunden. Bei mir hatten wohl auch die Zuschauer das Gefühl, dass immer etwas passieren könnte. Deshalb haben mich die Fans damals auch öfter mal gefordert. Warum ich dann trotzdem nicht häufiger gespielt habe, weiß ich auch nicht. Vielleicht habe ich dem Trainer vom Gewicht her nicht gefallen; ich war ja nun wirklich keine Gerte damals. Andererseits brauchte ich mein Gewicht, um meine Kraft zu haben, aber das hat Klimaschefski wahrscheinlich anders gesehen als ich.

Gab es deswegen mal ein Gespräch mit Klimaschefski?

Ich bin sogar zum Vorstand gegangen. Zwei Stunden habe ich damals mit Holst gesprochen und gefragt, warum ich nicht häufiger spiele. Sowohl von ihm als auch vom Trainer kam aber nur die Auskunft, dass ich warten müsse, bis sich jemand verletzt. Ich habe dann auch mal gegen Holstein Kiel zwei Tore gemacht und war das nächste Spiel trotzdem schon wieder draußen. Das sehe ich eigentlich nicht als wirkliche Chance. Klimaschefski war zwar ein absoluter Fachmann, aber ob ein Spieler vielleicht mal verletzt oder krank war, hat ihn überhaupt nicht interessiert. Wenn er im zwischenmenschlichen Bereich etwas mehr drauf gehabt hätte, dann wären wir bestimmt auch schon 1981 wieder aufgestiegen. Das Potential dafür hatten wir.

Kann man sagen, dass Sie in dem Jahr sehr viel in sich hineinfressen mussten?

Das war schon so. Ich denke, damit war ich aber auch nicht allein. Wenn die Mannschaft einem sagt, dass man einen bestimmten Betrag aus der Mannschaftskasse bekommt, wenn man im Training den Klimaschefski umgrätscht, dann zeigt das wohl ziemlich deutlich, wie angesehen der Trainer bei den Spielern war.

Gab es eine Situation, in der Sie dachten: Eigentlich kann der Klimaschefski auch ganz nett sein?

Nein, nie.

Es war damals ja während der Saison ein Kommen und Gehen innerhalb des Kaders. Kehrte trotzdem auch mal so etwas wie Ruhe ein?

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war eigentlich sehr gut. Traurig war nur, dass nie so richtig Harmonie aufkommen konnte, weil der Trainer ständig neue Reizpunkte setzte. Klimaschefski drohte damals schon mal damit, sich einen Klempner zu bestellen, weil der angeblich besser sei als der eine oder andere Spieler. Dem Dörflinger hat er von seiner Trainerbank auch mal „Penner“ oder „Arschloch“ zugerufen, und so etwas darf man als Trainer einfach nicht machen. Ich trainiere ja selber gerade eine A-Jugendmannschaft, und da wird viel gelacht. Natürlich werde ich auch ab und zu mal laut, aber solche Worte würden bei mir nie fallen.

Sie haben gerade Ihren ehemaligen Mitspieler Paul Dörflinger angesprochen. Wie hat die Mannschaft damals von seinem Tod erfahren?

Ich war sehr überrascht von dieser Nachricht. Einen Tag nach einem Training wurde er ins Krankenhaus eingeliefert und drei weitere Tage später war er dann tot. Angeblich soll er Gehirnblutungen gehabt haben, genau weiß ich das allerdings nicht. Da war man natürlich schon ziemlich schockiert. Die Mannschaft hat das ja auch nicht vom Verein, sondern hintenrum von der Presse erfahren.

Wie war das Verhältnis der Mannschaft zu Jürgen Mohr, der ja so ein klein wenig als Klimaschefskis Liebling galt?

Sehr gut. Ich habe damals viel mit ihm unternommen, er war also definitiv kein Einzelgänger. Ob er damals wirklich ein Liebling von Klimaschefski war, kann ich so eigentlich gar nicht sagen. Ich denke, auf Holger Brück traf das eher zu.

Gab es damals vielleicht auch den einen oder anderen Spieler, der nachts im Trainingslager oder vor Auswärtsspielen mal „ausgebüchst“ ist?

Quasten und Gruler haben schon mal ein paar kleine „Ausflüge“ gemacht. Wo die hingegangen sind, weiß ich aber nicht. Ich habe damals ja in meinem Bett gelegen und geschlafen.

Warum sind Sie nach nur einem Jahr zum FC Homburg gegangen?

Weil ich Fußball spielen wollte, das war der einzige Grund. Da war es mir auch egal, wo ich das tun konnte.

Wie ging es nach Ihrer Zeit in Homburg für Sie weiter?

Ich bin dann wieder zum Spandauer BC zurückgegangen und habe dort noch drei Jahre gespielt.Danach kamen dann noch Gatow, der Spandauer SV und der SC Charlottenburg. Beim SCC hatten wir eine wirklich gute Mannschaft, die leider in der Aufstiegsrunde gescheitert ist.

Sie sind heute Busfahrer bei der BVG. Auf welchen Linien könnte man Sie denn zufällig mal treffen?

Im Prinzip auf allen Linien, die in Spandau fahren. Als Springer fahre ich aber besonders oft die Linien 134, 136, 137, 139, 145 und 149.

Gab es mal ein lustiges Erlebnis mit einem Fahrgast?

Lustig ist es eigentlich nie, meistens wird man nur angemault. Besonders seit man vorn beim Fahrer wieder die Karte vorzeigen muss, bekommt man so einiges an den Kopf geschmissen. Am besten, man lächelt dann nur, sonst kommt man in diesem Beruf nicht weiter, zumindest in Berlin nicht. Richtige Konflikte hatte ich persönlich jedenfalls noch nicht, vielleicht auch deswegen, weil ich versuche, diese Dinge grundsätzlich mit Humor zu lösen.

Würden Sie sagen, dass Sie durch Ihre Karriere als Fußballer auch einiges an Psychologie mitbekommen haben, was Ihnen heute hilft?

Ja, unbedingt. Vor allen Dingen weiß ich, wie man heute als Trainer mit bestimmten Situationen umgehen muss. Vergangenes Jahr hatte ich z. B. eine A-Jugend mit ziemlich extremen Charakteren, und trotzdem hatte ich die Mannschaft im Griff. Die Spieler wissen, dass ich ihnen zuhöre und man mit mir sprechen kann. Damals habe ich gelernt, wie weit ich selbst gehen kann, und heute weiß ich, wo ich für meine Spieler die Grenze ziehen muss.

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