14 Bernd Gersdorff

Foto und Interview: März 2005

Sie sind ja eigentlich Berliner, sind aber nach Ihren Jahren bei Tennis Borussia direkt zu Eintracht Braunschweig gewechselt. Gab es in der Zeit nie ein Angebot von Hertha BSC?

Nein, das gab es nicht, und das wurde Hertha BSC damals auch von den Journalisten vorgeworfen. Neben mir haben in diesen Jahren ja auch Sühnholz und Kliemann die Stadt verlassen. Mit TeBe habe ich damals sogar um den Aufstieg in die 1. Bundesliga gespielt, da hätte man durchaus auf mich aufmerksam werden können. Das wurde man dann zwar auch, allerdings nicht bei Hertha, sondern bei Eintracht Braunschweig.

Dort gehörten Sie zu den ersten Spielern, die mit „Jägermeister“ einen Trikotsponsor auf der Brust trugen. Kam man sich als Spieler in der Anfangsphase des Sponsorings eigentlich noch blöd dabei vor, mit Werbung auf dem Trikot herumzulaufen?

Als Spieler interessierte einen das herzlich wenig. Wir wussten, dass der Unternehmer Mast eine Vereinbarung mit dem Verein getroffen hatte und das war’s. Die Tragweite ist einem erst später bewusst geworden. Das, was Mast dort gemacht hat, war ja beispielhaft für die gesamte Bundesliga. Er war der Erste, der es geschafft hatte, mit dem DFB eine Einigkeit über Trikotsponsoring zu erzielen.

Sie hatten in den 70ern auch ein kurzes Gastspiel beim FC Bayern München.

Im Prinzip habe ich in den wenigen Monaten, in denen ich dort war, alle Spiele gemacht, jedoch auf der von mir ungeliebten Position des Linksaußen. Deshalb nutzte ich die Gelegenheit, wieder zu Eintracht Braunschweig zurückzugehen, übrigens gegen den Rat von Robert Schwan und den vieler meiner Mitspieler. Und obwohl ich sehr schöne Erinnerungen an meine Zeit bei Bayern München habe, bedauere ich diese Entscheidung bis heute nicht.

Haben Sie noch Kontakt zu einigen ehemaligen Spielern des FC Bayern?

Mit Franz Beckenbauer habe ich in meiner Eigenschaft als Direktor der Konzernkommunikation der Salzgitter AG gerade ein Interview zur WM 2006 gemacht. Auch Paul Breitner, mit dem ich ja auch bei Eintracht Braunschweig zusammengespielt habe, läuft mir noch ab und zu mal über den Weg. Richtigen Kontakt hat man zwar nicht mehr, aber zumindest weiß man, dass man sich theoretisch bei jedem melden könnte.

Als Sie Mitte der 70er zu Hertha BSC kamen, hatten Sie da das Gefühl, nach Hause zu kommen?

Ja, als Berliner hatte ich das. Es war für mich auch eine große Ehre, zu Hertha wechseln zu können, über diese Möglichkeit habe ich mich damals sehr gefreut. Auch als ich bei anderen Bundesligavereinen gespielt habe, war es immer etwas Besonderes für mich, wieder nach Berlin zu kommen. Durch meinen Wechsel zu Hertha BSC konnte ich dann auch endlich mal meiner Frau und meinem ältesten Sohn die Stadt zeigen.

Wie haben Sie eigentlich den langjährigen Ersatztorwart Manfred Werner in Erinnerung? Kann es sein, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Reservetorhütern mit seiner Rolle gut umgehen konnte?

Ja, das stimmt wohl so. Manfred Werner war nicht nur ein sehr guter Keeper, sondern auch ein fantastischer Mensch und Kumpel. Zudem passte er damals auch wirklich super in die Mannschaft. Ich denke, er konnte seine Rolle als Ersatztorwart gut akzeptieren. Es gibt eben Menschen, die damit zufrieden sind.

Wie sind denn zu Ihrer Zeit bei Hertha BSC die Mannschaftsabende abgelaufen?

Wahrscheinlich kaum anders als heute auch. Wenn man nicht gewonnen hatte, ist man schon mal etwas näher zusammengerückt und hat sich darüber unterhalten, woran es gelegen hat. Vielleicht war es ja damals noch etwas familiärer als heute, aber grundsätzlich wird es wohl kaum Unterschiede gegeben haben.

Gab es damals irgendetwas innerhalb der Mannschaft, was Trainer Kuno Klötzer nicht wissen durfte?

Ich denke nicht. Kuno Klötzer war für mich damals ein Trainer der alten Generation; ein liebenswerter Mann, der im Fußball ja auch schon eine Menge erreicht hatte. Er passte auch zu Hertha BSC, deshalb standen wir alle hinter ihm, und haben versucht, nicht nur für uns und den Verein, sondern auch für ihn unser Bestes zu geben.

Schon damals gab es ja Diskussionen, ob man Profis vor dem Spiel ein Sexverbot auferlegen oder aber das genaue Gegenteil davon tun solle. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Das muss wohl jeder selbst ausprobieren. Ich hielt diese Diskussion schon damals für idiotisch, denn jeder Profisportler weiß selbst am besten, was er sich körperlich zutrauen kann und soll. Dafür gibt es keine Regeln.

In welchem Stadion haben Sie damals am liebsten gespielt?

Bestimmt nicht im Olympiastadion. Das Olympiastadion war für mich früher das Paradebeispiel dafür, wie ein Fußballstadion nicht sein sollte. Durch die riesige Aschenbahn kam ja oft noch nicht mal Atmosphäre auf, wenn 30.000 Zuschauer im Stadion waren. Dadurch hatte man auch als Spieler einen Riesennachteil, was die Motivation anging. Einige der Vereine im Ruhrgebiet hatten jedenfalls bedeutend mehr von ihrem Heimvorteil, genauso wie Borussia Mönchengladbach oder auch 1860 München, wo die Zuschauer einfach viel näher am Geschehen waren. Dort hatten es die Gegner wirklich schwer.

Hätten Sie sich vorstellen können, nach Ihrer aktiven Karriere mal eine Position bei Hertha BSC zu übernehmen?

1996 hat mir Robert Schwan mal das Angebot gemacht, als Manager bei Hertha BSC anzufangen; der Vertrag lag mir bereits unterschriftsreif vor. Ich habe mich dann aber aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Meine erste Amtshandlung hätte wohl auch sein sollen, den damaligen Trainer Röber zu entlassen. Es schien mir so, dass man sofort versucht hätte, mich in meinen Überlegungen und gestalterischen Möglichkeiten als Manager einzufangen und zu beeinflussen.

Heute wohnen Sie in Braunschweig. Können Sie sich später noch einmal vorstellen, wieder nach Berlin zurückzukehren?

Man soll nie „nie“ sagen, aber ich glaube, dass ich meinen Weg mittlerweile gefunden habe. Ich werde wohl noch einige Jahre tätig sein, und danach wird man weitersehen. Im Moment habe ich aber nicht vor, nach Berlin zurückzugehen.

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