13 Detlev Szymanek

Foto und Interview: Oktober 2004

Als Sie 1974 zu Hertha kamen, war Dettmar Cramer ja nur für einige Tage Trainer. Dass die Mannschaft damals Cramer als Trainer wollte, ist bekannt. Gab es darüber hinaus aber auch eine klare Anti-Stimmung gegenüber seinem Nachfolger Kessler?

Aus meiner Sicht war Cramer halt schon der Trainer, der mich zu Hertha geholt hatte. Er hatte ja auch den Ruf, junge Spieler sehr zu fördern, deswegen habe ich mir von ihm als Trainer natürlich auch sehr viel versprochen. Was Kessler angeht, muss man einfach sagen, dass man ihn eigentlich gar nicht kannte, zumindest nicht in der Bundesliga. Deshalb gab es am Anfang schon gewisse Vorbehalte gegen ihn, aber das hat sich dann ganz schnell gelegt. Kessler hat sich damals einfach hingestellt und gesagt, dass er ein Mann des Erfolgs sei, und so wie er das beschrieben hat, ist es ja dann auch eingetroffen. Er war als Trainer jemand, der mit den Spielern sehr gut umgehen konnte, und sie zweifellos auch ein wenig an der langen Leine ließ.

Was war das für einen jungen Spieler für ein Gefühl, plötzlich auch Fußball-Bilder oder Autogrammkarten mit dem eigenen Portrait zu haben?

Das war für mich eigentlich kein einschneidendes Erlebnis, sondern eher Beiwerk. Es gehörte eben dazu. Der große Traum war ja eher, vielleicht mal über kurz oder lang im ausverkauften Olympiastadion zu spielen. Wenn man in dieser Stadt aufgewachsen ist, und auch einige Spiele als Zuschauer verfolgt hat, dann träumt man natürlich davon, irgendwann auch selber mal auf dem Spielfeld zu stehen und vielleicht sogar ein entscheidendes Tor zu erzielen. Das ist das, was mich wirklich angetrieben hat.

Stimmt die Geschichte, dass Sie eigentlich gelernter Polizist sind?

Nein, das stimmt nicht so ganz. Tatsächlich habe ich bei der Polizei eine kaufmännische Ausbildung im mittleren Verwaltungsdienst gemacht. Das war also kein Dienst mit Mütze und Gummiknüppel, sondern ein klassischer Bürojob.

Wie ist Ihnen die 4:7 Niederlage bei Bayern München in Erinnerung, bei der Sie innerhalb von sieben Minuten drei Tore geschossen haben?

Das war so ein typisches Spiel, bei dem es um nichts mehr ging. Mein erstes Tor wurde damals noch mit einem gewissen Schmunzeln hingenommen, aber spätestens beim dritten Tor waren Sepp Maier und seine Hintermannschaft dann doch ziemlich sauer. Für mich persönlich war es natürlich schon wichtig, weil das ein Bundesliga-Rekord ist, der wahrscheinlich nie zu toppen sein wird.

Denkt man in solchen Situationen darüber nach, ob das nur an einem selbst lag? Spieler wie z. B. Wynton Rufer hatten bzw. haben ja auch einen sehr starken Glauben.

Zu diesen Spielern gehörte ich nicht. Ich habe vor allem an mich selbst geglaubt. Dazu kam, dass ich eben auch als junger Spieler wenig Scheu vor großen Namen hatte.

Welchen Verteidiger haben Sie in Ihrer aktiven Zeit am meisten gefürchtet?

Damals war die Vorgehensweise eines Verteidigers ja noch eine etwas andere. Selbst ein Angriff von hinten war akzeptabel, wenn auch nur ein bisschen der Ball mit im Spiel war. Auf dem Gebiet waren Horst-Dieter Höttges oder auch Berti Vogts natürlich Leute, die das besonders gut beherrschten. Einer meiner Lieblingsgegenspieler war dagegen Katsche Schwarzenbeck, der in seiner Art sehr sachlich und wirklich fair war.

Wie haben Sie nach Ihrem Wechsel in der Saison 1976-77 Ihre erste Zeit bei Fortuna Düsseldorf erlebt?

Bei Hertha war meine Leistung sehr schwankend. Mal überragend, aber z. T. auch mit einer hohen Fehlerquote, weil ich manchmal einfach zu viel wollte. Ich wollte es eben oft zu spektakulär haben. Zudem hatte ich das Gefühl, dass ich bei Hertha eher als zukünftiger Stürmer und nicht als Stürmer der Gegenwart gesehen wurde. Da kam dann das Angebot von Fortuna Düsseldorf genau zum richtigen Zeitpunkt. Dieser Wechsel war ein wichtiger Schritt, erwachsen zu werden. Ich wurde plötzlich nicht mehr nur als junger Spieler beurteilt, sondern an anderen Kriterien gemessen. Als ich in Düsseldorf ankam, hatte ich mit Rudi Bommer zusammen ein Apartment auf dem Vereinsgelände, wir konnten praktisch von früh bis spät nur an Fußball denken. Schön war dann auch, dass ich gleich in den ersten Spielen entscheidende Tore für Düsseldorf geschossen habe.

Was waren die verschiedenen Charaktere in der Mannschaft bei Fortuna Düsseldorf?

Dieter Brei war z. B. einer von denen, die eher besonnen und ruhig waren, während Egon Köhnen eher den lustigen Part übernommen hat, auf dem Platz aber ein echter Kämpfer war. Und dann gab es eben die jungen Spieler wie Klaus Allofs, Rudi Bommer, Hubert Schmitz, Sepp Weikl oder auch mich, die den älteren Spielern etwas Dampf gemacht haben.

Wie haben Sie denn Ihren Mitspieler Klaus Allofs kennen gelernt? Er soll ja damals schon eine kleine Diva gewesen sein.

Aus meiner Sicht war Klaus ein Klassetyp. Ich denke, alle Fußballer in der Bundesliga haben etwas divenhaftes, wenn man divenhaft mit sensibel umschreibt oder damit, dass ein Spieler in sich hineinhorcht. Norbert Nigbur war z. B. ein Spieler, der sehr in sich hineinhorchte. Einige sagten dann, der übertreibt ein wenig mit seinen Wehwehchen, andere dagegen meinten, dass gerade das gezeigt hat, dass er ein echter Profi ist.

Gerd Müller hat mal gesagt, wenn man als Stürmer vor dem Tor erst nachdenkt, ist es eh schon vorbei. Können Sie das als ehemaliger Stürmer bestätigen?

Ja, ich denke, als Stürmer sind tatsächlich diejenigen besonders erfolgreich, die nicht zögern. Andererseits fängt man sehr schnell damit an, viel nachzudenken, wenn es mal nicht so läuft. Was man sonst als Stürmer instinktiv macht, wird dann plötzlich schwer.

Heute betreuen Sie Profifußballer u. a. in Versicherungsangelegenheiten. Wie ist es dazu gekommen?

Nach dem Ende meiner Profi-Laufbahn war ich zunächst schwankend, was meinen weiteren beruflichen Weg angeht. So kam ich dann ins Versicherungswesen und bin bis heute dabei geblieben. Das hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass ich speziell den Versicherungsbereich für den Profifußball betreue. Dazu gehört die betriebliche Altersversorgung genauso wie der Schutz gegen Spielunfähigkeit.

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