11 Hans Weiner

Foto und Interview: September 2004

Sie betreiben seit einigen Jahren das Lokal „Hanne am Zoo“, das früher einmal „Holst am Zoo“ hieß. Wie liefen damals die Übernahmegespräche mit dem vorherigen Betreiber Wolfgang Holst, den Sie ja auch noch als Präsident von Hertha BSC kannten?

Mit Wolfgang Holst hatte ich diesbezüglich überhaupt keinen Kontakt, auch wenn das in der Presse so dargestellt wurde. Tatsächlich lief das alles über die Immobilienfirma. Der Mietvertrag war zu Ende, man suchte einen Nachfolger, und deshalb trat man eben an mich heran.

Sie gehörten aber schon zu den Spielern, die durchaus ein gutes Verhältnis zu Wolfgang Holst hatten bzw. haben.

Ein sehr gutes sogar. Wobei mein persönliches Verhältnis zu ihm im Augenblick wahrscheinlich besser ist als früher. Damals hat er ja für Hertha BSC mit den Spielern Vertragsverhandlungen geführt. Da gab es natürlich auch immer gewisse Reibungspunkte. Wenn ich dann wieder mal für ein, zwei oder drei Jahre unterschrieben hatte, wurde unser Verhältnis danach aber automatisch wieder lockerer.

Wie geht es Wolfgang Holst denn heute gesundheitlich?

Geistig ist er nach wie vor voll auf der Höhe. Wir hatten vor kurzem noch eine Wette gehabt, wie wir 1974-75 gegen den 1. FC Köln gespielt haben. Erich Beer hat da zwei Flaschen Champagner gegen ihn verloren, denn Wolfgang wusste nicht nur das Datum, sondern auch noch das Ergebnis. Körperlich merkt man ihm zwar nichts an, aber ich weiß, dass er sich eigentlich einer Operation unterziehen müsste, um sich neue Bypässe legen zu lassen.

Ihre ersten Jahre in Berlin haben Sie noch bei Tennis Borussia gespielt. Wie haben Sie diese Jahre in Erinnerung?

Für mich war das ziemlich aufregend. Ich kam ja praktisch vom Land, aus einem Ort mit gerade mal 800 Einwohnern. Bei TeBe war damals Hans Rosenthal Präsident und auch andere Leute beim Verein wie Jack White oder Wolfgang Gruner hatten für mich schon eine gewisse Aura. Immerhin kannte ich diese Leute ja bisher nur aus dem Fernsehen.

Mitte der 70er haben Sie bei Hertha einige Jahre mit Erwin Kostedde zusammengespielt. Hatte er damals eigentlich noch Schwierigkeiten wegen seiner Hautfarbe?

Erwin war schon etwas lebenslustiger als der Durchschnitt, immer gut drauf. Manchmal hat er dabei als Typ durchaus etwas polarisiert. Ab und zu wurde er dann auch mal als „Bimbo“ oder „Neger“ tituliert, aber das war alles im normalen Rahmen.

Michael Sziedat sagte über Sie, dass mit Ihnen eigentlich jeder auskomme. Waren Sie in Ihrer Zeit als Fußballspieler vielleicht auch manchmal ein wenig angepasst?

Nein, ein Mitläufer bin ich nie gewesen. Ich habe meine Meinung schon vertreten, allerdings war ich nie der Typ, der dabei so gerne im Vordergrund stand. Natürlich habe ich aber auf dem Feld immer versucht, das umzusetzen, was vom Trainer vorgegeben wurde. Wenn man als Spieler ständig eine andere Meinung hat als der Trainer, dann wird das auf die Dauer nicht gut gehen. Michael war damals ja eher ein Einzelgänger, der nach dem Training immer als Erster gegangen ist, während ich mich z. B. noch mit Uwe Kliemann über das Training unterhalten habe. Mittlerweile habe ich mit Michael aber ein sehr gutes Verhältnis, und wir gehen mit unseren Frauen auch öfter mal zusammen ins Stadion.

Wie sind Ihnen die Hertha-Fans der 70er und 80er Jahre in Erinnerung?

Wenn man gut gespielt hatte und dann erkannt wurde, war das das schönste Gefühl überhaupt. Besonders wenn man großen oder überhaupt keinen Erfolg hatte, konnte es aber auch mal vorkommen, dass man einfach nicht in Ruhe gelassen wurde, noch nicht einmal beim Essen. Doch auch das sollte man akzeptieren, immerhin macht man das ja nur eine begrenzte Zeit und wird auch noch gut dafür bezahlt.

Sie haben mal gesagt, dass die Art und Weise, wie man bei Hertha 1986 nach dem Abstieg in die Oberliga mit Ihnen umgegangen ist, unmenschlich gewesen sei.

Direkt nach dem Abstieg hieß es noch, dass man die Mannschaft zusammen behalten wolle. Deshalb hat man mich auch zunächst gebeten, zu gleichen Konditionen weiterzuspielen. Ich wäre auch dazu bereit gewesen, aber als ich dann nach dem Urlaub zurückkam, fand ich einen Brief in meinem Postkasten mit der Kündigung. Da hätte ich durchaus gegen angehen können, denn ich hatte ja die gesamte Mannschaft als Zeuge, dass man mir eine Vertragsverlängerung angeboten hatte. Ich habe das dann aber trotzdem akzeptiert, weil ich mich ja bereits selbstständig gemacht hatte. Trotzdem war ich von diesem Vorgehen nach 17 Jahren als Profi natürlich enttäuscht, weil das einfach keine Art und Weise war, mit einem Spieler umzugehen.

Wer stand damals in erster Linie hinter dieser Entscheidung?

Genau weiß ich das nicht mehr, weil ich mit den meisten danach nie wieder geredet habe. Ich vermute aber, dass Trainer Sundermann damals das Präsidium überzeugt hat, auf junge Spieler zu setzen.

Gab es in Ihrer Karriere bei Hertha BSC oder auch beim FC Bayern München einen Spieler, von dem Sie heute denken, dass er vom Talent her wesentlich mehr hätte erreichen müssen?

Bei Hertha war für mich Dietmar Krämer das größte Talent, leider war er das aber auch noch mit 28. Genauso Reinhold Mathy bei Bayern München: Im Training hat der uns immer schwindlig gespielt, aber Training und Spiel sind eben zweierlei. Man muss halt auch vor 50.000 oder 80.000 Zuschauern spielen können, selbst wenn die mal pfeifen. Den umgekehrten Fall habe ich dann bei Andy Köpke erlebt. Damals wurde ja Manfred Müller beim 1.FC Nürnberg Torwarttrainer und als er bei mir wegen Köpke anfragte, sagte ich ihm, dass sich der Köpke in der Bundesliga wahrscheinlich schon durchbeißen könnte. Dass er allerdings eine solche Karriere hinlegt, hat auch mich erstaunt.

Kommt es ab und zu vor, dass Spieler aus dem aktuellen Kader von Hertha BSC mal Ihr Lokal besuchen?

Ja, in der vergangenen Saison kam der Stevens sogar mit 4 Spielern zu einer Fandiskussion. Auch Arne Friedrich war zweimal hier als er verletzt bzw. gesperrt war. Und vor ein paar Jahren hat sich auch der Stefan Beinlich öfter mal hier sehen lassen.

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